Warum sind die Gefühle so wichtig auf dem Weg zur Erleuchtung?

Gefühle sind wichtiger als man denkt und sie finden viel zu wenig Beachtung in unserer westlichen Kultur.


Was ist so wichtig an ihnen, was ist ihre Aufgabe, was spielen sie für eine Rolle auf dem Weg zur Erleuchtung?


Es gibt meines Wissen leider keine alte Schrift in der die Rolle der Gefühle explizit zum Ausdruck kommt.

Ich glaube, deshalb irren so viele Suchende durchs Leben und finden die Erleuchtung nicht. Weil ihnen die Rolle der Gefühle nicht klar ist.


Als ich anfing mit der Meditation, mit Yoga und anderen Übungen, ging es erst einmal um das Erlernen des  fremden Weltbildes und das Einüben einer täglichen Praxis. Mir war schnell klar, dass nur eine regelmäßige Übung die alten Gewohnheiten verändern würde. Und eingeschränktes Bewusstsein ist eine alte Angewohnheit!


Im Rückblick kann ich sagen, dass ich mit den Gefühlen die größten Probleme und Schwierigkeiten hatte. In dem Maße wie ich weiter fortschritt und meine Meditations-Übungen mir eine andere Sicht auf die Dinge des Lebens boten, entfesselten meine Gefühle einen immer größer werdenden Sturm. Erleuchtung erschien mir vom Verständnis her völlig schlüssig, aber meine Gefühle wollten da irgendwie nicht mit.


In der Meditation waren sie immer ruhig und ließen mich in Ruhe, aber sobald ich wieder in die familiäre und berufliche Aktivität zurückkehrte, spielten sie verrückt. Das ging soweit, dass ich Phasen hatte, wo ich tatsächlich das Gefühl hatte, beinahe verrückt zu werden oder verrückt zu sein.


Vom Kopf her konnte ich mir das alles erklären, aber die Gefühle "gehorchten" einfach nicht, sie wollten einfach nicht so wie ich.
Erst relativ spätauf meinem Entwicklungsweg habe ich mich dann ganz gezielt um das Thema Gefühle gekümmert.

 

Die Theorie und das Verständnis der Erleuchtung war mir vorher immer wichtiger gewesen. Ich musste für mich alles begründen können, ich wollte nicht unvorbereitet sein, wenn ich Frage und Antwort stehen sollte .


Zu den Gefühlen bin ich gekommen, wie die Jungfrau zum Kinde. Ich erlernte eine Übung, wo es darum ging meine Aufmerksamkeit ausschließlich auf meine eigenen Gefühle zu legen. Das war damals in der Form für mich neu. Das hatte ich so noch nie gemacht und von daher erlebte ich eine große Überraschung.


Ich entdeckte einen neuen Raum in mir, der riesengroß zu sein schien, den ich Gefühlsraum nannte. Und in diesem Raum waren alle meine jemals erlebten Gefühle und Gefühlsserlebnisse enthalten, die ich in meinem Leben erlebt und gespeichert hatte. Und - der Raum war ziemlich voll. Für wirklich neue große Gefühle war also nicht so recht Platz.

 

Ich brauchte aber viel Platz, denn erleuchtet sein heißt auch unbegrenzt glücklich und voller Liebe zu sein. Und den Platz musste ich mir erst wieder schaffen und aufräumen in mir.


Das war also der Grund, warum meine Erleuchtungserfahrungen nie lange anhielten! Mein Gefühlsraum hatte wegen Überfüllung geschlossen und große Erleuchtungsgefühle hatten darin einfach keinen Platz mehr.


So begann bei mir das Großreinemachen. Ich wollte das Übel bei der Wurzel packen und diesen Raum gernau so schön leer haben, wie es mein mentaler Raum schon war. Ich freute mich auf den freien Raum, den ich in der Meditation immer im mentalen Raum erfuhr und nach einigen Jahren der "Gefühls"-Praxis erreichte ich das auch in meinem Gefühlsraum. Die Unendlichkeit hatte viel früher schon Einzug gehalten in meinem mentalen Raum, nun konnte ich ihr auch einen Platz in meinem Gefühlsraum anbieten.

 

Erleuchtung kommt, Erleuchtung geht. Aber wenn der Platz im eigenen Inneren da ist und schön bereitet ist, bleibt sie auch in der alltäglichen Aktivität. Wir können also wirklich etwas "tun" für die Erleuchtung.