Stimmungen und Gefühle

Immer wieder gibt es Verwirrung, wenn es um das Thema Gefühle geht.

"Geh wohin dein Herz dich trägt", lautet eine Anweisung, die sich sehr gut anhört und alltagstauglich ist.

Ich habe es  ausprobiert und gemerkt, dass man dabei seine Gefühle etwas genauer betrachten muss.

Was ist ein echtes Gefühl, was ist ein erinnertes Gefühl, was ist nur Stimmungsladung?

Diese Unterscheidung erweist sich als sehr wichtig, wenn man seine Gefühle als Handlungsanweisung nehmen will, denn sonst geht es schnell in die falsche Richtung im Leben.

Jeder kennt diese ewig gleichen Sackgassen in die man immer wieder hineinläuft.

Ich habe erkannt, dass Gefühle nicht immer echte eigene Gefühle sind, sondern häufig erinnerte Gefühle oder Stimmungen. Die sichersten Gefühle sind die im Hier und Jetzt. Einfach und klar wahrgenommen können sie wunderbar als Ziel für das tägliche Handeln dienen. Schwierig wird es, wenn sich erinnerte Gefühle in das Hier und Jetzt einschleichen. Unser Gehirn ist nämlich (erstmal) nicht in der Lage zwischen echten Gefühlen und erinnerten Gefühlen zu unterscheiden. Sagen die Neuroforscher und haben Recht damit. Das kann jeder an sich selbst ausprobieren. Dafür muss man nur eine zeitlang Aufmerksamkeit auf die eigenen Gefühle legen. Die erinnerten Gefühle werden dadurch schnell entlarvt. Sie entpuppen sich als Wiederholung auf immer die gleichen Erlebnisse und Ereignisse. In der Vergangenheit hatten sie noch ihre Berechtigung, heute sind sie überflüssig, tauchen aber immer wieder auf, gerade wenn man sie am wenigsten gebrauchen kann. Manche erinnerten Gefühle sind hartnäckig. Sie kleben an einem, man wird sie nur schwer los. Jeder kennt das.

Ohne Aufmerksamkeit als Übung über einige Wochen klappt diese Unterscheidung aber nicht zuverlässig. Es ist überraschend, wie viele Gefühle ihren Sitz nicht im Hier und Jetzt haben, sondern aus der Vergangenheit als Erinnerung angerauscht kommen. Als Ganzes formte sich daraus, dass, was wir Persönlichkeit oder Charakter nennen. "Das ist so meine Art" hört man oft. Aber in Wirklichkeit sind es nur immer die selben erinnerten Gefühle an die man sich gewöhnt hat.

Schnell zeigen sich mit dieser Übung auch die Stimmungen als unbrauchbare Gefühlswegweiser für das tägliche Leben. Man erzeugt sie bewusst oder unbewusst selbst, oder lässt sie von Anderen erzeugen (moodmaking).

Ich halte dies für eine der wichtigsten Übungen auf dem Weg zur Erleuchtung. Meiner Erfahrung nach stecken in den Gefühlen die größten Irrtümer und Verwirrungen, und da wir sie als naturgegeben hinnehmen, trauen wir uns in der Regel nicht daran sie mit der Aufmerksamkeit zu belegen, die sie bräuchten, damit in uns vollkommene Klarheit entstehen kann.

Ein gutes Kriterium für erinnerte Gefühle ist die Wahrnehmung der Wiederholung. Es taucht dann in einem das Gefühl auf, dass man das alles schon von früher her kennt. Wie ein Déjà-vu Erlebnis.

Wenn es sich um gute Gefühle handelt, ist man noch eher bereit sich aus dem Hier und Jetzt fortzubewegen und in einen Taumel von Erinnerungen einzutauchen, aber bei den schlechten Gefühlen setzt in der Regel sofort irgendein Verdrängungsmechanismus ein, oder eine Übersprunghandlung.

Solchen Gefühle taugen überhaupt nichts als Wegweiser für die Zukunft.

Hier noch eine Gefühlsübung, die ich sehr empfehlen kann: Einfach im Alltag im Inneren so oft wie möglich die Frage laufen lassen: Wie ist das Jetzt für mich?

Sehr schnell wird man merken, dass immer und unter allen Umständen irgendwelche Gefühle mit im Spiel sind. Auch bei völlig banalen und gewohnheitsmäßigen Handlungen. Die kann man dann gleich auf ihre Echtheit im Hier und Jetzt untersuchen und sich wundern, was da so herauskommt.

Das ist übrigens eine der wichtigsten Übungen, die ich kenne.

Am Ende steht völlige Klarheit im Hier und Jetzt, die Auflösung des ganzen Gefühlsmülls aus der Vergangenheit und der sehr bewusste Umgang mit Stimmungen aller Art.